Jüdisches Leben in Lüneburg

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Die Trauerhalle

Sammlung Manfred Göske, Museum Lüneburg

1912 errichtete die Synagogengemeinde in der südwestlichen Ecke des Friedhofs ein Tahara-Haus (Leichenwaschhaus), meist als Trauerhalle bezeichnet. Betty und Moritz Jacobsohn hatten dieses Gebäude zum Gedenken an ihren früh gestorbenen Sohn Albert gestiftet: ein schlichter Ziegelbau mit einer Grundfläche von 6,90 x 5,80 Meter. Die Innenausstattung war einfach, die Belichtung erfolgte durch ein großes Rosettenfenster und mehrere kleine hochgelegene Fenster. In die Fassade eingebaut war ein umlaufendes Natursteinband. Über dem Eingang stand ein Davidstern und der Psalmvers „Der Ewige erlöst die Seelen derer, die ihm dienen“ (Psalm 34, 23). 

Seit 1938 erfuhr das Gebäude immer wieder Veränderungen. In der NS-Zeit wurde es als Geräteschuppen des Stadtgartenamts und als Tischlerwerkstatt genutzt, sein Charakter unkenntlich gemacht: Man ließ die jüdischen Symbole mit Zement überputzen, das Rosettenfenster zerstören und neue Fenster einbauen. 1960 wurden angesichts von Vandalismus diese Fenster zugemauert und neue Türen eingebaut.

Als die Trauerhalle in den 1980er Jahren zu verfallen drohte, wurde das Gebäude gesichert und renoviert. Außen ließ man eine Gedenktafel anbringen, und im Innern der nicht öffentlich zugänglichen Trauerhalle dokumentierte man die Namen der Bestatteten. 

2022 regte die Lüneburger Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit eine denkmalgerechte Sanierung der Trauerhalle an und sammelte dafür Spenden. Die Sanierung begann im Frühjahr 2023 und dauerte bis zum Frühjahr 2024. Restauratoren ermittelten die Farbgebung von 1912 und konnten den historischen Zustand des Gebäudes behutsam wiederherstellen. Das Rosettenfenster, die anderen Fenster und auch die jüdischen Symbole konnten rekonstruiert werden. Heute dient die Trauerhalle als Lern-, Begegnungs- und Erinnerungsort.

Weitere Informationen zur Sanierung der Trauerhalle finden Sie hier.

Die Tafel an der Trauerhalle

Die Tafel wurde 1989 vor einer der zugemauerten Fensternischen der Trauerhalle eingesetzt und war dort bis zum Beginn der Sanierung 2023 zu sehen. Neureren Recherchen zufolge sind Daten und Zusammenhänge zum Teil damals nicht korrekt dargestellt worden: 

Die erste Beerdigung fand 1828 statt (nicht 1827). Bereits im Zuge des Novemberpogroms 1938 und vor der letzten Bestattung 1939 (nicht erst danach) wurden Grabsteine umgeworfen und Grabstätten geschändet. Die Stadt Lüneburg eignete sich das Gelände an und verfügte im Winter 1943/44 die Räumung des Friedhofs, um dort ein Behelfsheim für "Volksdeutsche" und Ausgebombte zu errichten. Zu diesem Zweck wurden alle Grabstätten beseitigt, nur wenige Grabsteine als Fundament für das neue Behelfsheim genutzt. Das eingeebnete Gelände diente dessen Bewohnern bis 1947 als Gemüseland. 1965 ließ die Stadt lediglich einen zentralen Gedenkstein (und nicht einzelne Grabsteine) aufstellen. Erst beim Abriss der Behelfsheime 1967 kamen die im Fundament verbauten Grabsteine ans Licht. Sie wurden 1972 (und nicht 1965) am Rande des alten Bestattungsfeldes in einer Reihe aufgestellt.  

Lüneburger Stadtarchiv