Hier finden sich Namen, Lebensdaten, Biografien und Familiengeschichten zu jüdischem Leben in Lüneburg. Haben Sie weitere Informationen, Korrekturen, Fotografien, Dokumente oder Anregungen? Nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf, damit wir die Seiten aktualisieren können.
Levi (manchmal auch: Levin Moses) Steinwehr kam 1778 in Winsen an der Luhe zur Welt. Um 1810 kam er nach Lüneburg - in dieser Zeit der französischen Besatzung war es für jüdische Menschen leichter, sich in Lüneburg anzusiedeln als vorher. Die Institution des Schutzjudentums war abgeschafft. Statt dessen wurden sogenannte Patente für verschiedene Gewerbe vergeben. Levi Steinwehr erscheint deshalb in historischen Dokumenten als "patentierter Schlächter". Er wohnte zur Miete Am Berge 9.
In der napoleonischen Zeit, die in Lüneburg von 1806-1813 dauerte, arbeitete Levi Steinwehr eng mit dem Kaufmann Simon Heinemann zusammen, der aus Bleckede nach Lüneburg gekommen war. Ende 1813 - nach dem Ende der Franzosenzeit und der Wiedereinführung der alten Strukturen des Königreichs Hannover - beantragten beide die Anerkennung als Schutzjude in Lüneburg und Konzessionen für ihren Beruf.
Der Lüneburger Magistrat, der sich seit Jahrzehnten dem Zuzug von weiteren Juden massiv entgegenstellte, wehrte sich dagegen. In einem Bericht von Ende Dezember 1813 an die Regierung in Hannover hieß es zum Schlachter Levi Steinwehr (hier genannt "Supplicant"): "Da derselbe nun auf der einen Seite überall keinen hinlänglichen Grund zur Ertheilung einer Concession anführen können, und es auch auf der anderen Seite überall nicht an zunftmäßigen Schlächtermeistern fehlt, Supplicant auch als Jude nicht ins Amt kommen kann, und die Judenfamilien in hiesiger Stadt nicht vermehret werden dürfen; so glauben wir das Gesuch des Supplicanten für ungültig halten zu müssen.“
Am Ende erhielt Levi Steinwehr keine Konzession für Lüneburg. Er bemühte sich jedoch weiter um Anerkennung als Schutzjude in der Region. Nach einem langen Streit mit den zuständigen Behörden gewährte die Regierung ihm im Sommer 1815 schließlich den Status eines Schutzjuden im Dorf Marschacht, das zum Amt Winsen gehörte. Dort konnte sich Levi Steinwehr niederlassen und eine Familie gründen. Er starb 1851 in Obermarschacht und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Winsen an der Luhe beerdigt.
Namensvarianten: Lewin Levy Levin Moses